»Sprache ist zum Spielen da – Bedeutungen verhandelbar.«

Der Autor im Moment des Geistesblitzes

Über mich als Mensch

Alles, was mir wirklich wichtig ist, hat nichts mit Zahlen oder Formeln zu tun. Das, was wirklich mein Herz berührt, ist nicht zähl-, berechen- oder digitalisierbar, und erst recht ist es nicht »skalierbar«. Ich halte es ohnehin für eine Art Krankheit unserer Zeit, dass wir viel zu vieles zu berechnen versuchen oder dass wir glauben, uns bestimmten Dingen ausschließlich auf mathematisch-wissenschaftlichem Weg nähern oder es auf diese Weise gar verstehen könnten. Niemand wird je Liebe erklären können, und ebenso wird niemals jemand schlüssig Humor erklären können. Ein tieferes bzw. ein wirklich TIEFES Verstehen erlangt man meiner Meinung nach ohnehin nur, indem man sich ALS GANZER MENSCH auf etwas einlässt. Dazu ein Beispiel: In meiner Freiburger Zeit bin ich wie ein Halbprofi Rennrad gefahren. Irgendwann kamen Fahrradcomputer auf, und auch ich montierte mir einen ans Rad: momentane Geschwindigkeit, Höchstgeschwindigkeit, Gesamtkilometer dieses Jahr … Nach drei Jahren montierte ich ihn wieder ab, endgültig. Warum? Jede Sekunde, die ich auf diese Zahlen starrte, verpasste ich die Natur um mich herum, alles Schöne, das mich umgab. Wozu fahre ich denn eigentlich diesen Berg hinauf? Um dann irgendwann irgendwelche Zahlen abzulesen? Worüber freue ich mich wirklich? Über eine Verbesserung meiner Bestzeit auf den Schauinsland (den Freiburger Hausberg; ca. 1.000 Höhenmeter über der Stadt) um 20 oder 30 Sekunden? Oder über das, was ich wirklich spüre und erlebe? Die Luft, die Natur um mich herum, meine Verfassung an diesem Tag, das Plätschern des Baches, der neben der Straße fließt, die Blicke nach links, nach rechts, talwärts? Meine Entscheidung: Spüren. Leben. Empfinden. Wahrnehmen. Dankbar sein für all das Wunderbare, das uns umgibt. Für das Alltäglichste.

Ich habe den Eindruck, heutzutage herrscht ein eklatantes Missverhältnis zwischen Gefühl und Technik (ich weiß, das ist banal; aber es ist mindestens ebenso evident, dass, gerade WEIL es so „selbstverständlich“ geworden ist, es viel zu bereitwillig nur noch hingenommen wird). Und dass wir dem, was wir (selbst wenn wir es überdeutlich) FÜHLEN, überhaupt keinen Raum und keine Chance mehr geben.

Wir werden tagtäglich mit einer Überfülle Informationen überflutet, die wir selbst in ihrem Wahrheitsgehalt gar nicht nachprüfen können. Welchen schenken wir unseren Glauben? Denen, die am häufigsten wiederholt werden?

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Über mich als Autor

Als ich 1 war, erwachte mein Interesse an Sprache. Ich begann, Lautbildung, Phonemik, Grammatik und später auch eigentliches Sprechen zu studieren. Nach ausgiebigen, zwölfmonatigen Feldstudien war ich zur Erkenntnis gelangt: Die wichtigsten Wörter unserer Muttersprache sind nicht »Wirbelstromabscheider«, »Kreisverwaltungsreferat« oder »NATO-Nachrüstungsbeschluss«, sondern »Mama«, »Papa«, »dado« und »lala«. Worte, die unser Herz berühren.

Mit 3 wurde ich eingekindergartent. Ich entwickelte die von mir so genannte »Relativitätspraxis« (Theorie war mir damals ziemlich egal). Die zentrale These: Die menschliche Entwicklung läuft in einem beschleunigten Bezugssystem – also in einem Kind, das ständig herumrennt – schneller ab als in einem stillsitzenden Kind. (Die Ergebnisse waren, wie ich finde, eindeutig, wurden aber von den Kindergärtnerinnen in ihrer fundamentalen Tragweite gar nicht erkannt.)

Dann die Einschulung: 13 Jahre lang versuchte ich, Menschen (im Volksmund »Lehrer« genannt) darin zu schulen, dass der Mensch in der Lage ist, mit den Ohren zu hören und dass er dazu nicht die Augen braucht. Mit anderen Worten: dass der Sehsinn anders funktioniert als der Hörsinn. Konkret: Dass ein Schüler, auch wenn er zum Fenster hinausschaut, weil dort einzigartige Wolkenformationen zu sehen sind oder weil eine Schwalbe ihre Luftkunststücke dreht, dennoch fähig ist, über die Ohren Schallwellen aufzunehmen und das Gesagte – wozu hat man denn seine 100 Fantastilliarden Neuronenverbindungen! – zu verstehen. Von 97 Lehrern haben nur 2 diesen Test bestanden. (Ich das Abi mit 1,0.)

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Eine meiner größten Gaben: Ich glaube, ich kann aus (fast) allem irgendetwas Kreativ-Witziges machen. Jemand hat das mal so beschrieben: »Du nimmst Dinge und Augenblicke wahr, die einem normalen Menschen kaum auffallen.« Daraus entstehen dann Wortspielereien oder auch kleine Geschichten. Längere Erzählungen liegen mir weniger, meine Aufmerksamkeit richtet sich eher auf Details; daher ist bei mir auch die Wortebene dominant bzw. die Kurzgeschichten gehen oft von einem Worteinfall aus. Ein Beispiel: Wenn sich der Golfstrom, wie kürzlich (im März 2021) zu lesen war, abschwächt: Was läge dann näher, als ihn in Polostrom umzubenennen? Oder ich deute Phänomene gern um. Einfach mal unseren Wahrnehmungsrahmen ändern. Bisweilen auch, um zu erkennen, dass wir manchmal in ziemlich wahnsinnigen Zuständen leben.

Was das Ortsnamenwörterbuch betrifft, so war der allererste kuriose Ortsname, an den ich mich erinnern kann (da war ich vielleicht 5 oder 6), Fallingbostel. Mein Vater war Bauleiter und hatte in ganz Deutschland auf Baustellen zu tun. Das muss wohl eine seiner Baustellen gewesen sein, ich hab das jedenfalls noch von meiner Mutter im Ohr. Auch von Lüdenscheid bin ich geprägt wie eine Lorenzsche Graugans.

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Mein Tagesablauf

In der Regel arbeite ich unununterbrochen (mit anderen Worten: nicht ununterbrochen; hin und wieder mal ein Päuschen einlegend). Oft die ganze Nacht hindurch. Nicht selten wache ich dann morgens schweißgebadet auf. Ja, Traumarbeit kann ganz schön anstrengend sein.

Dann stehe ich auf, dusche und brühstücke (wenn die erste Mahlzeit des Tages nur aus Tee oder Kaffee besteht, ist das ein Brühstück; ich zum Beispiel trinke erst mal ein bis sieben Liter Grüntee). Dabei notiere ich mir die Ideen, die mir morgens im Halbschlaf oder beim Duschen gekommen sind. Und die Ideen, die mir beim Notieren der Ideen gekommen sind. Dann ist meistens schon Nachmittag. Zeit, mich zu deentspannen.

Ich fahre ziellos durch die Gegend; meistens ist mein Ziel Stralau. Dort kann man seinen Schweif schön über das Wasser blicken lassen.

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