My mother was of the sky – my father was of the earth – and I am of the universe 😉

The Beatles, Yer Blues
Der Autor im Moment des Geistesblitzes

Über mich als Mensch

Mother Nature’s Son

Ich wollte in meinem Leben immer etwas Sinnvolles tun. Etwas, hinter dem ich mit meinem ganzen Wesen und meinem ganzen Sein uneingeschränkt stehen kann.

Sinn und unmittelbares Erleben waren mir immer wichtiger als Geld, materiellen Annehmlichkeiten und sogenanntem Luxus habe ich nie Wert beigemessen.

Ich bin unfähig, die Glücksversprechen der Werbung zu »verstehen«, ich »verstehe« es auch nicht, warum Menschen von etwas ständig Fotos machen müssen, anstatt diese unwiederbringlichen Momente tatsächlich zu erleben.

Zehn Jahre lang habe ich Yoga unterrichtet, danach habe ich zehn Jahre lang Manuskripte lektoriert.

Nun reizt es mich, erneut eine weitere Seite zu leben … und dabei einen Lebensfaden wiederaufzugreifen, den ich lange Jahre liegengelassen hatte: mein Schreiben.

 

Ich bin – wie jeder Mensch – eine vielschichtige Persönlichkeit. Auf jeden Fall etwas eigenwillig (sieht man ja schon an meinem Haar). Alles, was mir wirklich wichtig ist, hat nichts mit Zahlen oder Formeln zu tun. Das, was wirklich mein Herz berührt, ist nicht zähl-, berechen- oder digitalisierbar, und erst recht ist es nicht »skalierbar«. Ich halte es ohnehin für eine Art Krankheit unserer Zeit, dass wir viel zu vieles zu berechnen versuchen oder dass wir glauben, uns bestimmten Dingen ausschließlich auf mathematisch-naturwissenschaftlichem Wege nähern oder es nur auf diese Weise gar verstehen könnten. Wird uns ja auch allzu oft gesagt. Dem entgegne ich: Niemand wird je Humor erklären können, und ebenso wird niemals jemand schlüssig Liebe erklären können. Ein tieferes bzw. ein wirklich tiefes Verstehen erlangt man meiner Meinung nach ohnehin nur, indem man sich als ganzer Mensch auf etwas einlässt. Dazu ein Beispiel …

 

Über Fahrradcomputer, Schrittzähler und ähnlichen Unsinn (der uns vom Erleben und vom LEBEN ablenkt …)

In meiner Freiburger Zeit bin ich wie ein Halbprofi Rennrad gefahren. Irgendwann kamen Fahrradcomputer auf, und auch ich montierte mir einen ans Rad: momentane Geschwindigkeit, Höchstgeschwindigkeit, zurückgelegte Kilometer …

Nach drei Jahren montierte ich ihn wieder ab. Endgültig. Warum? Jede Sekunde, die ich auf diese Zahlen starrte, verpasste ich die Natur um mich herum, alles Schöne, das mich umgab. Wozu fahre ich denn eigentlich diesen Berg hinauf? Um dann irgendwann irgendwelche Zahlen abzulesen? Worüber freue ich mich wirklich? Über Zahlen auf einem Display? Über eine Verbesserung meiner Bestzeit auf den Schauinsland (den Freiburger Hausberg, 1.000 Höhenmeter über der Stadt) um 10 oder 20 Sekunden? Oder über das, was ich wirklich spüre und erlebe? Über die Luft, die Natur um mich herum, meine Verfassung an diesem Tag? Über das Plätschern des Baches, der neben der Straße fließt, die Blicke nach links, nach rechts, talwärts? Über meinen mir von meinem Schöpfer, vom Universum oder/und von Mutter Natur geschenkten Körper, der mich das alles überhaupt nur erleben lässt? Über die wunderbare Luft, die ich in meine Lungen sauge? Über das Wunder, wie meine Lungenbläschen bei jedem Atemzug Kohlendioxid gegen Sauerstoff tauschen? Über die Myriaden physiko-chemischer Prozesse, die in jeder Millisekunde ablaufen (müssen), damit dieses ganze Körper-Geist-Seele-System, das ich bin, das tun kann, was es in ebendiesem Moment tut (und von dem wir in unserem Alltag nicht das geringste mitbekommen, obwohl es doch unsere LEBENSgrundlage ist)? Und über dieses »Ich«, das ich bin, dieses Bewusstseinszentrum, das bei alledem einfach … glücklich ist? Ganz zu schweigen von den 13,8 Milliarden Jahren Evolution (so schätzt die Wissenschaft), die nötig waren, um all diese Wunder hervorzubringen? Und all das reduziere ich auf drei oder vier »messbare« Parameter???

Meine Entscheidung: Spüren. Empfinden. Wahrnehmen. Leben. Dankbar sein für all das Wunderbare, das uns umgibt. Für das – scheinbar – Alltäglichste. Das aber, wenn man sich auf das Wesen der Welt einlässt, ganz und gar nicht alltäglich ist.

Ich habe den Eindruck, heutzutage herrscht ein eklatantes Missverhältnis zwischen Gefühl und Technik (ich weiß, das ist banal; aber es ist mindestens ebenso evident, dass, gerade WEIL es so „selbstverständlich“ geworden ist, es viel zu bereitwillig nur noch hingenommen wird). Und dass wir dem, was wir (selbst wenn wir es überdeutlich) fühlen, was wir spüren, überhaupt keinen Raum und keine Chance mehr geben, unsere Entscheidungen und damit unser Leben zu lenken. Dem was uns als Menschen, als Menschheit Zehntausende von Jahren hat erst überleben und uns entwickeln hat lassen …

… wird fortgesetzt …

 

Über mich als Sprachliebhaber und Autor

Mein Motto: »Sprache ist zum Spielen da – Bedeutungen verhandelbar«

Als ich 1 war, erwachte mein Interesse an Sprache. Ich begann, Lautbildung, Phonemik, Grammatik und später auch eigentliches Sprechen zu studieren. Nach ausgiebigen, zwölfmonatigen Feldstudien war ich zur Erkenntnis gelangt: Die wichtigsten Wörter unserer Muttersprache sind nicht »Lohnsteuerjahresausgleich«, »Kreisverwaltungsreferat« oder »NATO-Nachrüstungsbeschluss«, sondern »Mama«, »Papa«, »dado« und »lala«. Worte, die unser Herz berühren.

Mit 3 wurde ich eingekindergartent. Ich entwickelte die von mir so genannte »Relativitätspraxis« (Theorien war mir damals ziemlich egal). Zentrale These: Die menschliche Entwicklung läuft in einem beschleunigten Bezugssystem – also in einem Kind, das herumrennt – schneller ab als in einem Kind, das stillsitzt. (Die Ergebnisse waren, wie ich finde, eindeutig, wurden aber von den Kindergärtnerinnen in ihrer fundamentalen Tragweite gar nicht erkannt.)

Dann die Einschulung: 13 Jahre lang versuchte ich, »Lehrer« darin zu uinterrichten, dass der Mensch in der Lage ist, mit den Ohren zu hören und dass er dazu nicht die Augen braucht. Mit anderen Worten: dass der Sehsinn anders funktioniert als der Hörsinn. Konkret: Dass ein Schüler, auch wenn er zum Fenster hinausschaut, weil dort einzigartige Wolkenformationen zu sehen sind oder weil eine Schwalbe ihre Luftkunststücke dreht, dennoch fähig ist, über die Ohren Schallwellen aufzunehmen und das Gesagte – wozu hat man denn seine 100 Fantastilliarden Neuronenverbindungen! – zu verstehen. Von 97 Lehrern haben nur sehr wenige diesen Test bestanden. 

Eine meiner größten Gaben: Ich glaube, ich kann aus (fast) allem irgendetwas Kreativ-Witziges machen. Jemand hat das mal so beschrieben: »Du nimmst Dinge und Augenblicke wahr, die einem normalen Menschen kaum auffallen.« Daraus entstehen dann Wortspielereien oder auch kleine Geschichten. Längere Erzählungen liegen mir weniger, meine Aufmerksamkeit richtet sich eher auf Details; daher ist bei mir auch die Wortebene dominant; bzw., die Kurzgeschichten gehen oft von einem Worteinfall aus. Ein Beispiel: Wenn sich der Golfstrom, wie kürzlich (im März 2021) zu lesen war, abschwächt: Was läge dann näher, als ihn in Polostrom umzubenennen? Oder ich deute Phänomene gern um. Einfach mal unseren Wahrnehmungsrahmen (das Framing) ändern. Bisweilen auch, um zu erkennen, dass wir manchmal (oder eigentlich immer) in ziemlich wahnwitzigen Zuständen leben.

Was das Ortsnamenwörterbuch betrifft, so war der allererste kuriose Ortsname, an den ich mich erinnern kann (da war ich vielleicht 5 oder 6), Fallingbostel. Mein Vater war Bauleiter und hatte in ganz Deutschland auf Baustellen zu tun. Das muss wohl eine seiner Baustellen gewesen sein, ich hab das jedenfalls noch von meiner Mutter im Ohr. Auch von Lüdenscheid bin ich geprägt wie eine Lorenzsche Graugans.

… wird fortgesetzt …

Mein Tagesablauf

Everybody’s got something to hide except for me and my monkey

In der Regel arbeite ich unununterbrochen (mit anderen Worten: nicht ununterbrochen; hin und wieder mal ein Päuschen einlegend). Oft die ganze Nacht hindurch. Nicht selten wache ich dann morgens schweißgebadet auf. Ja, Traumarbeit kann ganz schön anstrengend sein.

Dann stehe ich auf, dusche und brühstücke (wenn die erste Mahlzeit des Tages nur aus Tee oder Kaffee besteht, ist das ein Brühstück). Dabei notiere ich mir die Ideen, die mir morgens im Halbschlaf oder beim Duschen gekommen sind. Und die Ideen, die mir beim Notieren der Ideen gekommen sind. Dann ist meistens schon Nachmittag. Zeit, mich zu deentspannen.

Ich fahre ziellos durch die Gegend; meistens ist mein Ziel Stralau. Dort kann man seinen Schweif schön über das Wasser blicken lassen.

… wird fortgesetzt …

Und zum Schluss (wie immer) das Beste – meine Quintessenz

Mal sehen, ob ich das zum Ausdruck bringen kann, was sich da gerade in mir bildet. Es ist 3:45 Uhr nachts, ich hatte gerade wieder einen jener Kreativitätsflashs (6 Stunden), die halt so kommen, wenn man sich ihnen anheimgibt, die Gedanken fließen lässt etc. Ich hatte schon immer eine Tendenz zur radikalen Einfachheit. Zur Perfektion (im Sinne von: Mach es so gut Du kannst). Und zur Effizienz. Und das bedeutete: Für das, was ich tun möchte, auf möglichst wenig (Mittel) angewiesen zu sein.

Rennradfahren

So wenig Gewicht wie möglich. Das Fahren selbst. Auch wenn es 17 Prozent bergauf geht: Mach alles so mühelos, wie Du kannst. Warum die Gesichtsmuskeln anspannen? Kostet nur Kraft. Du fährst nicht mit dem Gesicht, sondern mit den Beinen!

In diesen Stunden, beim Fahren, gibt es nur: Dich, Deinen Atem, 10 Kilogramm Rennrad – und die Natur.

Yoga

Noch eine Stufe elementarer: Nicht mehr 10 Kilo, sondern 500 Gramm. Eine Yogamatte. Wieder nur Du, Dein Körper, Dein Atem, das Universum. Wunderbarer geht es kaum. Kannst Du überall machen. Jederzeit. Ideal!

Kleiner Exkurs für alle, die meinen, Yoga sei, irgendwelche Körperübungen zu machen. Yoga ist, im elementarsten Sinne: 1. Dich mit Dir selbst verbinden: 2. Dich mit Deiner unmittelbaren Umgebung verbinden. 3. Dich mit dem Kosmos verbinden. – Also ganz einfach. Kann jeder. Jederzeit. Überall.

Geist

Vielleicht betreibe ich gerade das Minimalistischste, was (mir) möglich ist: Ich brauche nur noch mein Bewusstsein, meine Wahrnehmung, mein Gehirn, mein (wie ich es nenne) Körper-Geist-Seele-System … und etwas, um die mir zufliegenden Ideen und Assoziationen aufzuschreiben: ein Notizbüchlein und einen Kugelschreiber. 200 Gramm, schätzungsweise. Und wie schon beim Rennradfahren und beim Yoga: Wu wei – »nicht tun«. Kreativität ist wie einer Amsel bei ihrem wunderschönen Gesang zuzuhören: Niemals wirst Du eine Amsel zwingen können, für Dich zu singen. Musst Du auch nicht. Sie singt ohnehin. Allerdings: Wenn SIE will. Nicht wenn Du meinst, dass sie singen sollte. Sei einfach offen, Dich beschenken zu lassen. Und wenn SIE (naja, eigentlich ja ER) dann singt: Dann hör hin. Und sei eingedenk, was für ein Geschenk das ist!

Es gibt da dieses chinesische Sprichwort: »Deine Arbeit kann warten, bis Du Deinem Kind den Regenbogen gezeigt hast. Aber der Regenbogen wird nicht warten, bis Du mit deiner Arbeit fertig bist.« Ist irgendwie so die Quintessenz von Lebensweisheit, oder? Jemand anderes hat das mal so formuliert: »Das Leben ist das, was gerade passiert, während Du irgendwas anderes vorhattest.«

Fazit

Das, was ich zum Hauptinhalt meines Lebens erköre, soll zu seiner Durchführung auf so wenige Mittel wie möglich angewiesen sein – so, dass ich ihm voraussetzungslos überall und jederzeit nachgehen kann. Im Idealfall also auch irgendwo im Wald, in der U-Bahn, zur Not auch irgendwo im Gefängnis … Ich sollte dazu am besten nur – mich selbst brauchen: meinen Körper, meinen Atem, meinen Geist. Keine weiteren Hilfsmittel. Absolut und elementar.

Denn mich selbst habe ich ja überall dabei. Mein Geist, mein Körper, mein Atmen ist jederzeit bei mir. Also, so meine implizite Überlegung: Mach etwas, das Du voraussetzungslos überall und jederzeit tun kannst. (Habe ich eigentlich schon gesagt, dass es für mich niemals nirgends keine Veranlassung gibt, mich zu langweilen? Oder mich darüber aufzuregen, dass jemand oder etwas zu spät kommt oder nicht so abläuft wie geplant? Weil ich mich selbst immer dabei habe, kann ich jederzeit tun, was immer mir beliebt. Und wenn ich mal nix tun will … kann ich mich dafür entscheiden, einfach nichts zu tun. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich ein wunderbares Leben lebe 😅)

Und ohne dass ich das so zielgerichtet angestrebt hätte, ist mein Leben jetzt genau so: Ich bin offen für was immer mir einfällt. Ich gehe einkaufen, sehe irgendein Schild, meine Assoziationen sprudeln – schon habe ich wieder zwei oder drei neue Einfälle. Ich höre »Liebe Kunden, wir öffnen Kasse drei für Sie« – wieder eine Idee für einen Sketch. Ich lese einen Artikel mit einem dämlich blöden Schreibfehler – und erfinde etwas kreativ Neues. Ich lese, die Raumsonde Voyager hätte (als erstes menschengemachtes Objekt) unser Sonnensystem verlassen. Und mir kommt der Nukleus zu einer Story, dass diese Raumsonde, die die USA Ende der 70er Jahre mal ins All geschossen haben und die dasjenige menschengemachte Objekt ist, das sich am weitesten von der Erde entfernt hat … dass diese Raumsonde eben wieder auf die Erde zurückkommt, mit einem Aufkleber »Empfänger unbekannt verzogen« …