Über Dich

Ja, ich weiß, das ist vermutlich weltweit die erste »Über Dich«-Seite. Ich kann’s ja auch nicht ändern, dass da bisher niemand drauf gekommen ist. Wo es doch so naheliegend ist. Also erschrick bitte nicht. laughing

Du bist zwischen 3 und 127 Jahre alt, also genau in dem Alter, in dem man Spaß am Spielen mit Wörtern und Bedeutungen hat. Wenn Du das Wort »Briefbeschwerer« liest, fällt Dir als allererstes jemand ein, der seine Beschwerden postalisch kundtut, ein »Forscher« ist für Dich jemand, der forsch ist, in welcher Hinsicht auch immer, und als logisch denkender Mensch erkennst Du in »sich entfernen« ein Synonym für »sich annähern«, denn die Vorsilbe ent- bedeutet ja, dass etwas verringert, weggenommen oder von etwas anderem befreit wird (vgl. enthüllen, entladen, entgiften, entwässern etc.).

Deine Lachschwelle ist eher niedrig, Dein Lachniveau hingegen eher hoch. Mit anderen Worten: Du lachst nicht über jeden Scheiß, sondern es muss entweder selten dämlich oder zumindest ein bisschen geistreich oder aber auch herrlich skurril sein; Du ergötzt Dich aber auch an Sachen, die sophisticated sind. Damit ich von meinem Buch und all dem anderen Kram möglichst viel verkaufe, um noch mehr anspruchsvollen Unsinn produzieren zu können, postest, likest, weitererzählst und versonstnichtwast Du alles, was Du hier auch nur halbwegs gut findest, und zwar auf allen Kanälen, die Du kanntest, kennst oder jemals kennen wirst.

Außerdem verschenkst Du allen Deinen Freunden zu jedem Geburtstag und an Weihnachten Deiner gesamten Verwandtschaft ein Exemplar. Du lobhudelst auf allen Foren und Verkaufskanälen, was das Zeug hält, ohne dabei zu sehr zu übertreiben und dadurch unglaubwürdig zu wirken.

Über Witzchen wie den mit Commichau (siehe ⇒Beispiele) lachst Du herzlich, goutierst aber auch Witze wie den mit Wladiwostok, obwohl Du möglicherweise googeln oder bingen (= eine andere Suchmaschine als Google verwenden) musst, weil der drei Mal über Bande geht. Du bist Dir nicht zu fein, um über das fast schon Mario-Barth-like schenkelklopfende Wattenscheid abzulachen, findest aber auch, dass man über Namen wie Katzenhirn oder Wixhausen einfach keinen Witz machen kann – es sei denn, man unterläuft die gängigen Erwartungen, siehe Bettmannsäge.

Du verstehst, dass Berlin, Lemgo, münchen und stockholm (beides sind in meinem Buch Adjektive) keine Beschreibungen von Berlin, Lemgo und München sind, dass sie aber auch nicht keine Beschreibungen von Berlin, Lemgo, München und Stockholm sind – weil es ein Teil des Spiels ist, mit Vorurteilen oder allgemein verbreiteten Stereotypen zu spielen.

Du bist sowohl der Schmökertyp, der sieben Stunden lang im Bett lesen kann, als auch der S-Bahn-Typ, der Bücher mag, die man mal eben kurz aufschlagen kann, wenn man zwei Minuten auf die nächste Bahn warten muss. Du scheust Dich auch nicht, in der U8 laut aufzulachen (notfalls sagst Du, Du hättest Deine Medikamente – siehe Mozac – vergessen, in Berlin glaubt Dir das jeder); oder noch besser, Du versuchst, Dein Lachen zu unterdrücken, was die allerbeste Methode ist, um den Lachreiz noch mehr zu kitzeln.

Und Du magst mit Hingabe und Liebe gestaltete Bücher (Hardcover! Fadenheftung! Lesebändchen!), bei denen sich Dein zukünftiger Lieblingsautor die beste aller Illustratorinnen gesucht, sich monatelang Gedanken über die Darbietungsform gemacht, ein halbes Dutzend Druckereien mit Sonderwünschen an den Rand des Wahnsinns getrieben, alles mit Liebe und Herzblut und Mut und Leidenschaft so schön wie nur möglich gestaltet hat?

Dann bist Du mein Lieblingsleser!

PS: Zu dem, was es bedeutet, ein Buch zu schreiben, gibt es keine schönere Szene als jene am Ende von Please stand by, einem US-Film von 2018. (Es ist zwar nicht ganz vergleichbar mit meiner Situation, aber im Kern gilt es für alle, die ein Buch schreiben; es möge hier als eine Art Memento stehen.) Wendy, einer autistischen jungen Frau mit wunderbarem Einbildungsvermögen, gelingt es am Ende doch noch rechtzeitig, ihr Manuskript bei Paramount Pictures in den Briefschlitz zu werfen. Dem sturen Mitarbeiter, der sich darauf versteift, dass die Manuskripte nur per Post eingereicht werden können, weil sie einen Poststempel bräuchten, entgegnet sie:

Wissen Sie, wie schwer es ist, so etwas zu schreiben? So viel Nachdenken und Planen und Umschreiben von allem, das man bereits geschrieben hat, nur damit es jemand lesen kann. Die vielen Tage und Nächte, die man nachdenkt. Nachdenkt über die richtigen Sätze, über die beste Art, wie man etwas ausdrückt. Weil einem die Geschichte, die man erzählen will, etwas bedeutet.